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Bewertung der Abwasserrelevanz eines Indirekteinleiters

Mit der Abwasserrelevanzbewertung beurteilen Sie, welche Bedeutung ein Indirekteinleiter für die öffentliche Abwasseranlage hat. Die Bewertung betrachtet nicht nur die Abwassermenge, sondern auch mögliche Auswirkungen auf Kanalisation, Kläranlage, Arbeitssicherheit, Bausubstanz und Umfeld.

Die Bewertung der Abwasserrelevanz folgt den Empfehlungen der DWA. WAVE unterstützt die strukturierte Bewertung, ermittelt daraus eine Bewertungszahl und kann auf dieser Grundlage eine Abwasserrelevanzstufe vorschlagen.

Warum wird die Abwasserrelevanz bewertet?

Indirekteinleiter unterscheiden sich hinsichtlich Art, Zusammensetzung und Menge ihres Abwassers. Eine geringe Abwassermenge bedeutet dabei nicht zwangsläufig eine geringe Relevanz: Bestimmte Inhaltsstoffe können beispielsweise die Arbeitssicherheit gefährden, die Bausubstanz angreifen oder die Abwasserreinigung beeinträchtigen.

Die Bewertung schafft deshalb eine nachvollziehbare fachliche Grundlage für die Einstufung. Sie führt mehrere Einflussfaktoren zusammen und verbindet das Ergebnis mit einer Abwasserrelevanzstufe. An dieser können wiederum Vorgaben für Prüfungen, Kontrollen, Probenahmen und Eigenüberwachungen sowie die Erforderlichkeit einer Abwasservorbehandlung hinterlegt werden.

Risiken systematisch erfassen
Unterschiedliche Auswirkungen eines Betriebs werden getrennt beurteilt und zu einem Gesamtbild zusammengeführt.
Überwachung ableiten
Die Relevanzstufe kann bestimmen, in welchen Intervallen Einstufungen, Kontrollen und Probenahmen vorgesehen sind.
Entscheidungen dokumentieren
Prüfungsdatum, Einzelbewertungen, Bemerkungen, Bewertungszahl und Einstufung machen die Beurteilung nachvollziehbar.

Eine Bewertung erfassen

Die Abwasserrelevanzbewertung wird einem konkreten Indirekteinleiter zugeordnet. Bei einer neuen Bewertung setzt WAVE das Prüfungsdatum zunächst auf das aktuelle Datum. Bearbeiter und Bearbeitungszeitpunkt werden ebenfalls dokumentiert.

In der Übersicht erscheinen vorhandene Bewertungen mit Prüfungsdatum, Abwasserrelevanzstufe sowie den zugehörigen Intervallen für Abwasserrelevanz-Einstufung, Kontrollen und Probenahmen. Die Bewertungen werden damit historisch nachvollziehbar geführt. Nach dem Speichern aktualisiert WAVE die für den Indirekteinleiter maßgebliche Abwasserrelevanz; andere Bewertungseinträge werden gegen nachträgliche Änderungen geschützt.

Die Bewertungskriterien

Für die zentralen Kriterien ist jeweils eine Bewertungsstufe anzugeben. Zu jedem Bereich kann zusätzlich eine Bemerkung erfasst werden, um die fachliche Entscheidung zu erläutern. Die Kriterien Frachten 1 bis 3 sind optional und werden verwendet, wenn besondere branchenspezifische Stoffe berücksichtigt werden sollen.

Kanalbetrieb

Hier ist die Bedeutung des Betriebs für den Kanalbetrieb zu bewerten. Zu berücksichtigen ist insbesondere, ob Stoffe eingeleitet werden können, die Ablagerungen, Verstopfungen, betriebliche Störungen oder andere Beeinträchtigungen verursachen. Beispiele sind absetzbare Stoffe, Schwimmstoffe, brennbare oder leichtflüchtige Stoffe sowie Fette.

KA-Betrieb

Bewertet wird die Bedeutung für die Klärschlammverwertung sowie für Betrieb und Leistungsfähigkeit der Abwasserreinigung. Relevant können beispielsweise Schwermetalle, Biozide, AOX, halogenierte Kohlenwasserstoffe, Phenole, ein ungünstiges C:N:P-Verhältnis oder eine extreme BSB5-Belastung sein.

Arbeitssicherheit

Zu bewerten sind mögliche Gefährdungen für das Personal in öffentlichen Abwasseranlagen. Besonders relevant können LCKW, Cyanid, Benzol, Formaldehyd, Phenole, Sulfid, extreme Temperaturen und pH-Werte sowie eine hohe BSB5-Belastung mit möglicher Schwefelwasserstoffbildung sein.

Bausubstanz

Dieses Kriterium berücksichtigt mögliche Auswirkungen auf bauliche Einrichtungen der öffentlichen Abwasseranlagen. Von Bedeutung können beispielsweise Sulfat, Sulfid, Temperatur, pH-Wert, LCKW, extreme BSB5-Belastungen und Ammonium-Stickstoff sein.

KA und Umfeld

Hier werden Auswirkungen auf die Kläranlage und das Umfeld der öffentlichen Abwasseranlagen beurteilt. Einfließen können beispielsweise Zustand und Auslastung der Entwässerungsanlagen, Sohlgefälle, Trenn- oder Mischkanalisation, Regenentlastungen, Bebauungsdichte und mögliche Geruchsemissionen.

Örtliche Verhältnisse

Bewertet werden die innerbetrieblichen und örtlichen Rahmenbedingungen. Zu betrachten ist beispielsweise, ob gefährliche Stoffe eingesetzt, produziert, gelagert oder umgeschlagen werden, welche Einrichtungen zur Gefahrenabwehr vorhanden sind und wie der Betrieb geografisch zur Kläranlage beziehungsweise zur öffentlichen Abwasseranlage liegt.

Abwassermenge

Hier wird die hydraulische Belastung bewertet, die der Betrieb aufgrund der erzeugten und eingeleiteten Abwassermenge verursacht.

Frachten 1 bis 3

Werden nennenswerte Frachten besonderer Stoffe eingeleitet, können bis zu drei branchenspezifische Stoffe ausgewählt und separat bewertet werden. Diese Kriterien sind optional und ermöglichen es, stoffbezogene Besonderheiten gezielt in die Gesamtbewertung einzubeziehen.

Wichtig: Die fachliche Bewertung sollte die tatsächlichen betrieblichen Verhältnisse abbilden. Bewertungszahl und automatische Einstufung unterstützen die Entscheidung, ersetzen aber nicht die fachliche Beurteilung.

Wie entsteht die Bewertungszahl?

WAVE überführt die ausgewählten Bewertungsstufen in Zahlenwerte. Berücksichtigt werden alle tatsächlich bewerteten Kriterien: Abwassermenge, Arbeitssicherheit, Bausubstanz, KA-Betrieb, Kanalbetrieb, KA und Umfeld sowie örtliche Verhältnisse. Bewertete Frachten 1 bis 3 werden zusätzlich einbezogen; nicht belegte optionale Frachtbewertungen bleiben unberücksichtigt.

Aus den berücksichtigten Einzelwerten ermittelt WAVE die Bewertungszahl. Beim Speichern wird sie neu berechnet und anschließend zur automatischen Ermittlung der passenden Abwasserrelevanzstufe verwendet.

Automatische Einstufung: WAVE speichert die automatisch aus der Bewertungszahl ermittelte Stufe separat. Ist noch keine fachliche Abwasserrelevanzstufe ausgewählt, wird die automatisch ermittelte Stufe zugleich als Einstufung übernommen.

Abwasserrelevanzstufen festlegen

Abwasserrelevanzstufen verbinden das rechnerische Bewertungsergebnis mit den organisatorischen Vorgaben für die weitere Überwachung. Für eine Stufe können unter anderem Bezeichnung, Ordnungszahl, Bewertungszahl mit Vergleichsoperator, Rechtsgrundlage, das Kennzeichen Abwasservorbehandlung erforderlich und verschiedene Intervalle hinterlegt werden.

AngabeBedeutung
Bezeichnung Bezeichnet die Abwasserrelevanzstufe. Die Angabe ist erforderlich.
Ordnungszahl Legt die Rangfolge fest. Eine größere Ordnungszahl bedeutet eine größere Abwasserrelevanz als eine niedrigere.
Bewertungszahl und Operator Legen fest, welche Bedingung die ermittelte Bewertungszahl erfüllen muss. Unterstützt werden kleiner, größer, kleiner/gleich, größer/gleich, gleich und ungleich.
Abwasservorbehandlung erforderlich Kennzeichnet, dass Indirekteinleiter dieser Stufe eine erforderliche Abwasservorbehandlungsanlage betreiben und unterhalten müssen.
Rechtsgrundlage Ermöglicht die Dokumentation der für die Stufe maßgeblichen Rechtsgrundlage.

Bei der automatischen Zuordnung prüft WAVE die Stufen in absteigender Reihenfolge ihrer Ordnungszahl. Die erste Stufe, deren hinterlegte Vergleichsbedingung zur Bewertungszahl passt, wird verwendet. Ordnungszahlen, Operatoren und Grenzwerte sollten deshalb fachlich aufeinander abgestimmt werden.

Intervalle der Abwasserrelevanzstufe

Für eine Stufe können zeitliche Vorgaben für Abwasserrelevanz-Einstufung, Kontrollen, Probenahmen, Eigenkontrollen und Eigenprobenahmen festgelegt werden. WAVE stellt definierte Intervalle nach dem Muster „Alle [Anzahl] [Intervalltyp]“ dar. Wird eine Intervallart deaktiviert, werden die zugehörige Länge und der Intervalltyp entfernt.

Bewertungsstufe für mehrere Kriterien setzen

Über Bewertungsstufe setzen können Sie eine ausgewählte Bewertungsstufe gleichzeitig für die grundlegenden Kriterien vorbelegen. Frachtbewertungen werden nur dann ebenfalls gesetzt, wenn für die jeweilige Fracht bereits ein branchenspezifischer Stoff ausgewählt wurde. Anschließend können Sie einzelne Kriterien weiterhin abweichend bewerten.

Abwasserrelevanz vorschlagen

Mit Abwasserrelevanz > Vorschlagen kann WAVE vorhandene Bewertungen vergleichbarer Indirekteinleiter als Erfassungshilfe heranziehen. Grundlage sind Indirekteinleiter mit übereinstimmenden Branchen. Sind mehrere passende Bewertungen vorhanden, werden deren Informationen zu einem Vorschlag zusammengeführt. Bei konkurrierenden Abwasserrelevanzstufen wird die jeweils höhere Einstufung berücksichtigt.

Der Vorschlag muss fachlich geprüft werden. Auch Betriebe derselben Branche können sich hinsichtlich Verfahren, Stoffeinsatz, Abwassermenge, Vorbehandlung und örtlicher Verhältnisse erheblich unterscheiden.

Bewertung von einem anderen Indirekteinleiter übernehmen

Über Abwasserrelevanz > Übernehmen von können Sie die Bewertung eines gezielt ausgewählten Indirekteinleiters als Ausgangspunkt verwenden. WAVE übernimmt die maßgebliche Bewertung und setzt Prüfungsdatum, Bearbeiter und Bearbeitungszeitpunkt für die neue Zuordnung entsprechend neu. Die übernommenen Angaben sollten anschließend auf ihre Gültigkeit für den aktuellen Betrieb geprüft werden.

Automatische und fachlich festgelegte Stufe

WAVE unterscheidet zwischen der automatisch ermittelten und der fachlich festgelegten Abwasserrelevanzstufe. Die automatische Stufe ergibt sich aus Bewertungszahl und den Regeln der Abwasserrelevanzstufen und wird beim Speichern neu berechnet. Die fachlich festgelegte Stufe kann davon abweichen, wenn besondere Umstände durch die rechnerische Bewertung nicht vollständig abgebildet werden. Ist keine fachliche Stufe ausgewählt, übernimmt WAVE die automatische Einstufung.

Nachvollziehbarkeit: Bewertungszahl und automatisch ermittelte Stufe bleiben neben der tatsächlich festgelegten Einstufung erhalten. Dadurch ist erkennbar, welches Ergebnis die Bewertungsregeln ergeben haben.

Auswirkungen des Speicherns

Beim Speichern berechnet WAVE Bewertungszahl und automatische Abwasserrelevanzstufe neu, aktualisiert die für den Indirekteinleiter maßgebliche Abwasserrelevanz und schützt andere Bewertungseinträge vor nachträglichen Änderungen. Außerdem werden abhängige Angaben des Indirekteinleiters neu berechnet. Die Einstufung kann damit auch nachfolgende Überwachungs- und Bearbeitungsprozesse beeinflussen.

Zusammenfassung

Die Abwasserrelevanzbewertung dient dazu, die Bedeutung eines Indirekteinleiters für Kanalisation, Kläranlage, Arbeitssicherheit, Bausubstanz und Umfeld nach einheitlichen Kriterien zu beurteilen. Ergänzend werden örtliche Verhältnisse, Abwassermenge und – soweit erforderlich – besondere Stofffrachten berücksichtigt.

WAVE führt die Einzelbewertungen zu einer Bewertungszahl zusammen und ordnet dieser anhand konfigurierbarer Regeln eine automatische Abwasserrelevanzstufe zu. Die Stufe kann zugleich Vorgaben für wiederkehrende Einstufungen, Kontrollen, Probenahmen, Eigenkontrollen und Eigenprobenahmen sowie für die Abwasservorbehandlung enthalten. Vorschlags- und Übernahmefunktionen erleichtern die Erfassung, ohne die fachliche Prüfung des konkreten Betriebs zu ersetzen.

 
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