Branchenspezifische Stoffe bilden in WAVE den zentralen Stoffkatalog für die fachliche Bewertung von Abwasserinhaltsstoffen. Sie sorgen dafür, dass ein Stoff einheitlich bezeichnet und in den dafür vorgesehenen Arbeitsbereichen wiederverwendet werden kann. Besonders wichtig sind sie im Indirekteinleiterkataster, bei Proben und Probenahmestellen sowie bei der Verwaltung und Prüfung von Grenzwerten.
Wofür werden branchenspezifische Stoffe benötigt?
Ein branchenspezifischer Stoff beschreibt einen Stoff beziehungsweise einen zu untersuchenden Parameter, der in den fachlichen Prozessen von WAVE verwendet wird. Der Eintrag selbst enthält bewusst nur wenige Stammdaten. Seine eigentliche Bedeutung entsteht durch die Verknüpfung mit Grenzwerten, Proben und den jeweiligen fachlichen Objekten.
Dadurch muss beispielsweise ein Stoff, für den bei mehreren Indirekteinleitern oder Probenahmestellen unterschiedliche Grenzwerte gelten, nicht mehrfach als Stammdatensatz angelegt werden. Stattdessen wird derselbe Stoff verwendet und mit den jeweils zutreffenden Grenzwerten kombiniert.
Wo werden branchenspezifische Stoffe verwendet?
Branchenspezifische Stoffe sind keine isolierten Basisdaten. Sie werden in mehreren fachlichen Zusammenhängen benötigt und verbinden die Stoffdefinition mit den konkreten Überwachungs- und Bewertungsprozessen.
| Bereich | Bedeutung des Stoffes |
|---|---|
| Indirekteinleiter | Stoffe können einem Indirekteinleiter über Grenzwertvorgaben zugeordnet werden. Bei einer auf einen Indirekteinleiter eingeschränkten Stoffauswahl werden nur die dort tatsächlich über Grenzwerte verwendeten Stoffe berücksichtigt. |
| Probenahmestellen | Grenzwerte können sich auf eine konkrete Probenahmestelle beziehen. Dadurch kann WAVE die dort relevanten Stoffe gezielt zur Auswahl stellen. |
| Proben und Untersuchungsergebnisse | Ein Untersuchungsergebnis wird dem untersuchten Stoff zugeordnet. Damit kann der erfasste Messwert mit den für diesen Stoff geltenden Vorgaben bewertet werden. |
| Grenzwerte | Der Stoff ist die fachliche Bezugsgröße eines Grenzwertes. Je nach Einsatzgebiet können unter anderem Konzentrations-, Fracht- oder Kennzahlgrenzen hinterlegt werden. |
| Vorbehandlungsanlagen | Grenzwertvorgaben können in Verbindung mit einem Vorbehandlungsanlagentyp verwendet werden. So lassen sich Stoffanforderungen für entsprechende Anlagenkonstellationen hinterlegen. |
| Technische Anlagen | WAVE kann Stoffgrenzwerte auch nach Anlagenart verwalten. Dabei kann zusätzlich eine Reinigungsklasse berücksichtigt werden. |
Die Übersicht der branchenspezifischen Stoffe
Die Übersicht zeigt die vorhandenen Stoffe alphabetisch nach ihrer Bezeichnung. Neben der Bezeichnung werden die Kennzeichen Indirekteinleiter und Probenahme angezeigt. Schreibgeschützte Datensätze werden in der Liste besonders gekennzeichnet.
Die Stoffliste kann außerdem gedruckt oder als CSV-Datei exportiert werden. Für umfangreiche Stoffkataloge stehen Filtermöglichkeiten zur Verfügung, mit denen die benötigten Einträge gezielt eingegrenzt werden können.
Suchen und filtern
Die Auswahl kann insbesondere über die Bezeichnung sowie über die Kennzeichen Indirekteinleiter und Probenahme eingeschränkt werden. Bei der Suche nach der Bezeichnung kann sowohl mit dem Beginn einer Bezeichnung als auch über eine allgemeine Textsuche innerhalb der Bezeichnung gearbeitet werden.
Wird die Stoffauswahl aus dem Kontext eines Indirekteinleiters oder einer Probenahmestelle aufgerufen, kann WAVE die Liste zusätzlich auf die Stoffe begrenzen, die dort bereits über Grenzwerte zugeordnet sind. Das verhindert unnötig große Auswahllisten und stellt den fachlichen Zusammenhang in den Vordergrund.
Einen branchenspezifischen Stoff anlegen oder bearbeiten
Für einen Stoff werden nur wenige Angaben benötigt. Gerade deshalb sollte die Bezeichnung sorgfältig gewählt werden: Sie dient als zentrale Identifikation des Stoffes in den nachgelagerten fachlichen Vorgängen.
| Feld | Bedeutung |
|---|---|
| Bezeichnung | Eindeutige Bezeichnung des Stoffes bzw. Parameters. Die Angabe ist erforderlich und darf maximal 50 Zeichen umfassen. |
| Indirekteinleiter | Kennzeichnet den Stoff für die Verwendung im Zusammenhang mit Indirekteinleitern. Das Kennzeichen wird auch zur gezielten Filterung und Auswahl verwendet. |
| Probenahme | Kennzeichnet den Stoff für die Verwendung im Bereich der Probenahme. Auch dieses Kennzeichen kann die angebotene Stoffauswahl fachlich einschränken. |
Zusammenspiel mit Grenzwerten
Grenzwerte werden nicht unmittelbar in den Stammdaten des Stoffes gepflegt. Stattdessen wird der Stoff in einer Grenzwertdefinition verwendet. Dadurch kann derselbe Stoff in unterschiedlichen fachlichen Zusammenhängen mit unterschiedlichen Anforderungen versehen werden.
Je nach Konfiguration kann ein Grenzwert beispielsweise einem Indirekteinleiter, einer Probenahmestelle, einem Vorbehandlungsanlagentyp oder einer Anlagenart zugeordnet sein. Für technische Anlagen kann zusätzlich die Reinigungsklasse in die Auswahl der zutreffenden Grenzwerte einfließen.
Bei einem Indirekteinleiter kann WAVE außerdem die zum Stoff gehörende Einheit aus den hinterlegten Grenzwerten ableiten. Ist eine Frachteinheit vorhanden, wird diese bevorzugt; andernfalls kann die Konzentrationseinheit verwendet werden. Dadurch steht die fachlich passende Einheit auch in stoffbezogenen Auswahlsituationen zur Verfügung.
Bewertung von Proben
Bei Proben bildet der Stoff die Verbindung zwischen dem Untersuchungsergebnis und der für die Probenahmestelle geltenden Anforderung. Zu einem Stoff können Mindest- und Höchstwerte aus der zugehörigen Grenzwertdefinition herangezogen werden. Auf dieser Grundlage kann WAVE beurteilen, ob ein Messwert einen Grenzwert verletzt oder ob eine Plausibilitätsauffälligkeit vorliegt.
Stoffe zusammenfassen
Im Laufe der Zeit können Stoffe mehrfach oder unter unterschiedlichen Bezeichnungen angelegt worden sein. Für solche Fälle bietet WAVE die Funktion Zusammenfassen. Dabei wählen Sie die zusammenzuführenden Stoffe und anschließend den Stoff aus, der künftig als Zielstoff verwendet werden soll.
Das Zusammenfassen ist mehr als eine reine Umbenennung. WAVE überführt die fachlichen Verwendungen der ausgewählten Ausgangsstoffe auf den Zielstoff:
- Vorhandene Proben werden dem Zielstoff zugeordnet.
- Für umgestellte Proben werden die zum Zielstoff passenden Grenzwerte der jeweiligen Probenahmestelle neu berücksichtigt.
- Grenzwert- und Plausibilitätsbewertungen der betroffenen Proben werden anschließend neu ermittelt.
- Grenzwertdatensätze der zusammengefassten Ausgangsstoffe werden entfernt, damit keine konkurrierenden Stoffdefinitionen bestehen bleiben.
- Vorhandene Stoffzuordnungen für Datenübernahmen werden auf die Bezeichnung des Zielstoffes umgestellt.
- Die Ausgangsstoffe werden anschließend als gelöscht und schreibgeschützt gekennzeichnet.
Löschen und Schreibschutz
Ein Stoff wird beim Löschen nicht einfach aus der Datenbasis entfernt. WAVE kennzeichnet ihn als gelöscht und setzt ihn gleichzeitig auf schreibgeschützt. Gelöschte Stoffe erscheinen nicht mehr in den normalen Stofflisten und stehen damit für neue Zuordnungen nicht mehr regulär zur Verfügung.
Dieses Verfahren schützt bestehende fachliche Zusammenhänge und verhindert, dass ein historisch bereits verwendeter Stoff unkontrolliert verändert wird. Schreibgeschützte Datensätze sind in der Übersicht entsprechend gekennzeichnet.
Automatisch bereitgestellte Stoffe
Bestimmte fachliche Initialisierungen können benötigte Stoffe automatisch bereitstellen, wenn sie noch nicht vorhanden sind. Solche automatisch angelegten Einträge werden für die Verwendung bei Indirekteinleitern und Probenahmen freigegeben. Auf diese Weise können vordefinierte Grenzwert- und Anlagenkonfigurationen auf einen einheitlichen Stoffbestand zurückgreifen.
Auch automatisch bereitgestellte Stoffe gehören anschließend zum zentralen Stoffkatalog. Für die laufende Pflege gelten daher dieselben Grundsätze wie für manuell angelegte Stoffe.
Empfehlungen für die Pflege
- Eindeutige Bezeichnungen verwenden: Legen Sie einen Stoff möglichst nur einmal und unter einer fachlich etablierten Bezeichnung an.
- Einsatzkennzeichen bewusst setzen: Aktivieren Sie Indirekteinleiter und Probenahme entsprechend dem vorgesehenen Einsatz. Die Kennzeichen steuern Filter- und Auswahlsituationen.
- Grenzwerte getrennt pflegen: Verwenden Sie den Stoff als gemeinsame Bezugsgröße und hinterlegen Sie die konkreten Anforderungen im jeweils passenden fachlichen Kontext.
- Dubletten nicht manuell bereinigen: Wenn bereits Proben oder andere fachliche Bezüge vorhanden sind, sollten gleichbedeutende Stoffe über die Funktion Zusammenfassen konsolidiert werden.
- Historische Verwendungen berücksichtigen: Änderungen an zentralen Stoffstammdaten wirken sich auf die Verständlichkeit bestehender Auswertungen und Dokumentationen aus. Bezeichnungen sollten deshalb nur mit fachlichem Grund geändert werden.
Branchenspezifische Stoffe sind der gemeinsame Stoff- und Parameterkatalog für die abwasserfachlichen Prozesse in WAVE. Sie werden insbesondere bei Indirekteinleitern, Probenahmestellen, Proben und Grenzwerten verwendet und können darüber hinaus Bestandteil anlagenbezogener Grenzwertvorgaben sein. Die zentrale Pflege verhindert unterschiedliche Schreibweisen und Mehrfachdefinitionen. Bereits entstandene Dubletten können über die Zusammenfassungsfunktion kontrolliert auf einen gemeinsamen Zielstoff überführt werden.


